-5 / 2°C
bedeckt
Vorhersage für 10.12.2017

Email an 45plus.li

Projekt "45plus.li"

SSL



Lernen

Was macht gebildete Menschen so wertvoll

Gedanken von Axel Krämer, Vaduz

Was macht gebildete Menschen besonders wertvoll?  Ich rede von Gebildeten und denke dabei weniger an die nur  Be-lesenen. Wissen ist zwar eine wichtige Grundlage aber noch lange keine Bildung. Wissen ist das, was sich heute jede und jeder, jederzeit, “just in time” und überall unproblematisch besorgen kann. Wissen ist jedoch nur wertvoll, wenn es zu ethisch verantwortetem, gezielten Denken, Fühlen und Handeln führt. Wissen ist dann wertvoll, wenn es als Bausteine für den Aufbau von Persönlichkeit dient, gelebt und anderen zugänglich gemacht wird.

Der Wert als Individuum. Auch wenn der Begriff “Krone der Schöpfung” bereits etwas abgegriffen ist, steht doch ausser Zweifel, dass jede oder jeder Neugeborene das derzeit beste Ergebnis einer Millionen Jahre andauernden Evolution ist. Der Wert jedes einzelnen Menschen zeigt sich in seiner Fähigkeit – zwar im Rahmen natürlicher Gegebenheiten und biologischer Grenzen – aber doch relativ frei fühlen, denken und wollen zu können und bewusstes Handeln daran zu orientieren.

Der Wert als Mitglied der Gesellschaft, als Sozialpartner. Er ergibt sich aus einer tiefen Identifikation mit der Gesellschaft und dem Engagement in entsprechenden Organisationen und Institutionen, aber auch durch ein von Mitmenschlichkeit und ökologischer Verantwortung geprägtes Verhalten.

Der Wert als ein Leben lang Lernender. Während eines ganzen Lebens offen zu bleiben für Erfahrungen, die andere bereits gemacht haben, intelligent genug zu sein, um seine Wahrnehmung zu schulen, eigene Erfahrungen zu sammeln und Erkenntnisse zu festigen, aber auch notwendige Wechsel zu akzeptieren und sich eine Bildung anzueignen, die Veränderung zulässt, ist hier das Wertvolle.

Der Wert als Partner in einer Lebensgemeinschaft. Verantwortung übernehmen, intime Gemeinschaft pflegen, Nachkommen so liebevoll begleiten, dass auch Herzensbildung nicht zu kurz kommt, machen den besonderen Wert in diesem Bereich aus, der eine wichtige gesellschaftliche Grundlage ist.

Der Wert als Arbeitspartner im Unternehmen. Hier erhalten wir den Wert des Menschen durch seine hohe Identifikation mit dem Unternehmen, seiner Leistungsbereitschaft und dem Vermögen, durch einen effizienten Beitrag im Team die gesunde wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens mit zu gestalten und letztendlich zum ideellen und materiellen Reichtum der Gesellschaft beizutragen, oder dementsprechend in Netzwerken mitzuwirken.

Die Hürden bei der Wertsteigerung:

Negative mentale Grundhaltung. Stellen wir uns vor, Menschen wären hauptsächlich von Befürchtungen und Pessimismus geleitet und würden mehr in der Vergangenheit, oder voller Zukunftsängste leben. Nicht auszudenken, wohin solche Haltungen führen. Verneinung, Ablehnung und Fatalismus würden sich immer mehr verbreiten. Nichts würde sich zum Guten wenden, denn die Einstellung bestimmt das Tun: Die Angst führt zu aggressiven Reaktionen oder Rückzug auf pure egoistische Positionen. Beides ist heute leider in vielen gesellschaftlichen Teilbereichen zu spüren.

Mentale Defizite in unserer Gesellschaft. Mangel an echten Wünschen und wertvollen Zielen. Obwohl alle Kinder träumen und sich ein glückliches Leben vorstellen können, erreichen nur die wenigsten das, was sie erwarten. ”Eins-zwei-drei, im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit”, hat es Wilhelm Busch sehr treffend formuliert. Und so nimmt uns der Ernst des Lebens die Lust am Träumen, die Phantasie unserer Ziele und die Kraft zum eigenständigen Handeln. Wir flüchten uns in Anspruchsdenken und Rechthaberei. Wir leben einfach dahin, statt zu erleben, zu gestalten und zu teilen.

Zu wenig dynamische Entfaltung durch fehlenden Ausbau aller Kompetenzen in jungen Jahren. Erst wenn man sich mit anderen Menschen vergleicht, zurückblickt auf das, was man erhoffte und das, was man nun hat, erst dann stellt man vielfach fest, man hätte auch mehr aus seinem Potenzial, seinen Talenten machen können, man hätte sich rechtzeitig entfalten müssen. Die durchschnittliche Lebenserwartung von 692’000 Stunden ist rasch erfüllt. Viele haben bereits nach 400’000 Stunden nicht mehr den Mut, wenigstens für den Rest des Lebens einen neuen Anfang zu machen. Viele haben einfach nicht verinnerlicht, das jeder Tag, jede Stunde, jede Minute ein neuer Anfang ist. Viele tragen ihr vergangenes Leben wie eine schwere Last mit sich herum und begreifen selten die Chancen, die sich immer bieten. Chancen, die lediglich Innehalten, Vorausschau, Mut und konsequentes Handeln erfordern.

Defizite im aktiven Ausbau der Persönlichkeit in allen Phasen des Lebens. So wie das Neugeborene mit Schreien dafür sorgt, nicht zu kurz zu kommen und wie das Kleinkind den Forderungen der Erwachsenen ein erstes “Nein” entgegensetzt und damit Selbstbewusstsein entwickelt, so formen wir in allen Lebensphasen an unserer Persönlichkeit. Wer das nicht bewusst oder zu wenig profiliert plant und tut, den formen andere nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen.

Probleme in der Ãœbereinstimmung von Denken, Wollen, Fühlen und Handeln im täglichen Leben. “Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert, der zum Himmel mit Taten”. So kann wohl mancher an sich selbst feststellen, wie wenig koordiniert Denken und Fühlen ablaufen und wie weit Wollen und Handeln auseinander klaffen. Nur im Reden, da sind wir alle stark.

Emotional-intelligentes Problem- + Projektmanagement in den Stürmen des Lebens. Die Welt ist nicht perfekt, doch genau das lässt der Entwicklung Raum und Chancen. Probleme sind nichts anderes als noch zu lösende Aufgaben und ausserdem eine Frage des Blickwinkels und der Sichtweise. Wir sollten lernen, Probleme als Fakten und Tatsachen anzunehmen und wie Projekte mit bestimmten Zweck und klar definiertem Ziel planen und handhaben.

Das Sprungbrett zur Wertsteigerung:

Positive Einstellung, gelebter Optimismus Stellen wir uns vor, die Menschen steigern ihren Optimismus um X Prozent, geniessen die Lust an der Gegenwart, kultivieren hohe Erwartungen, definieren Ziele und lassen sich von Freude beflügeln, sowie von realen Hoffnungen leiten. Jede und Jeder von uns kann aufgrund eigener Erfahrungen nachvollziehen, wie viel leichter und nachhaltiger sich das umsetzt, was man ersehnt, erdenkt und erschafft. Für sich selbst und andere. Erfolg beginnt im Kopf, aber die Umsetzung macht es  – und die braucht Hirn, Herz und Hand.

Was ist zu tun?

Wir können es uns gar nicht leisten, Neues Lernen und wirksame Bildung zu vernachlässigen, weil uns sonst die sich abzeichnende Explosion des Wissens überfordern wird. Wissen ist Macht  -  nicht Wissen ist Ohnmacht. Jeder von uns hat schon erfahren können, dass Standortbestimmung, Selbstreflexion und Selbstmotivation ein empfehlenswerter Weg ist, der jedoch kein Ende kennt. Ein Weg, auf dem wir nie an-kommen werden. Ein Weg, der Evolution, also Entwicklung heisst. Ein Weg, der Leben bedeutet. Also lautet die Devise: Ein Leben lang bewusster leben lernen.

Natürlich begegnen wir auf unserem Weg gravierenden Problemen, deren Lösung oft nicht sofort auf der Hand liegen. Aber es gibt immer eine Lösung. Das Leben geht weiter. Manchmal helfen die einfühlsamen, von Herzen kommenden, ehrlichen Worte anderer Menschen. Aber nur dann, wenn sie Eingang finden in die eigene Gedankenwelt. Es sind die positiven Gedanken und Bejahungen, die wirklich weiterhelfen können.

Es ist der Gedanke, alles ist nur halb so schlimm, nach dem Motto: “Hurra, wir leben noch…”
Es ist der Gedanke, daß andere viel gravierendere Probleme  lösen.
Es ist der Gedanke an das, was ich jetzt tun kann.
Es ist die Erwartung der Besserung.

Vor allem ist es aber der Gedanke daran, daß man sich selbst und viele Dinge beeinflussen kann, wenn man will und wenn man etwas tut, um Einsicht zu gewinnen, Entscheidungen zu treffen, persönliche Ziele zu setzen, zu handeln und damit auch seine Probleme zu lösen.

Wer Erfolg haben will, muß mit den täglichen Aufgabenstellungen fertig werden, ohne sich körperlich und seelisch zu verschleißen. Wer Erfolg haben will, darf auch möglichen Konflikten nicht aus dem Wege gehen. Die positive Einstellung zu sich und gegenüber anderen Menschen, der vernünftige Umgang mit Erfolg und Misserfolg, sowie mit Problemen und Konflikten ist dafür die wichtigste Grundlage. Jede Zukunft hat in der Vergangenheit begonnen, Einfluss nehmen und verbessern kann ich meine Zukunft nur in der Gegenwart, nämlich jetzt  -  aber das kann ich ein Leben lang tun. Immer hier und heute. Ich werde zwar damit die Welt nicht verändern, aber mich selbst bringe ich ein ganzes Stück weiter und damit nutze ich auch meiner Umwelt. Nur Mut. Keine Angst. Handle.

“Man muss nur wollen und daran glauben, dann wird es gelingen.” Ferdinand Graf von Zeppelin

“Willst Du etwas verändern, beginne bei Dir selbst.” S.H. Dalai Lama

[do action="artikel"/]

Lernen ist nicht gleich “Büffeln”

von Petra Brändle, Mauren

 

Wenn ich sage, dass ich gerne lerne, ist oft ein ungläubiges Kopfschütteln die Antwort. Dann erkläre ich, was mit Lernen wirklich gemeint ist. Die meisten Menschen assoziieren es nämlich nur mit dem sturen Auswendiglernen (zum Beispiel von Vokabeln). Bis in die 1960er Jahre wurde Lernen ja auch gleichgesetzt mit dem Aneignen von Lerninhalten in Institutionen. Ab den 1970er Jahren war klar, dass auch an anderen Orten, wie zu Hause oder am Arbeitsplatz gelernt wird. Ausserdem erkannte man, dass nicht nur das bewusste Lernen zählt, sondern auch „einfach so“ gelernt wird. Es gibt unzählige Möglichkeiten sich neues Wissen und Können anzueignen. Zum Beispiel eine neue Sprache, wenn wir längere Zeit mit Einheimischen im Urlaub zusammen sind oder kochen, wenn wir dabei zusehen und helfen.

Lernen kann grundsätzlich als ′Veränderung aufgrund der Verarbeitung von Eindrücken′ bezeichnet werden. Durch die Sinneszellen werden äußere Eindrücke aufgenommen und sorgen im Gehirn für Bilder, Gefühle und Reaktionen. Je öfter Nervenfasern genutzt werden, desto dicker und schneller werden sie. Dabei wird an das Vorwissen angeknüpft. Umso mehr Anknüpfungspunkte vorhanden sind, desto komplexer wird gelernt.

Die  Gerontologin Ursula Lehr stellte übrigens durch eine Befragung fest, dass 63% der Menschen an die Lernfähigkeit im Alter glauben. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass über ein Drittel (37%) glaubt, dass wir im Alter nicht mehr lernen können. Dies ist Unsinn! Das Gehirn ist laut Hirnforschung lebenslang fähig, die Effizienz der Zusammenarbeit zwischen seinen Nervenzellen zu verbessern. Der Hirnforscher Spitzer meint, dass jüngere Menschen schneller lernen und ältere dafür neues Wissen besser integrieren können. Die Journalistin Wagner formuliert es so: „Mit zunehmendem Alter wird die Fähigkeit zu denken und zu lernen also nicht unbedingt schlechter – und in mancherlei Hinsicht sogar besser. Vor allem in puncto Konzentration und Ausdauervermögen schneiden ältere Menschen deutlich besser ab, als jüngere.“

 

[do action="artikel"/]